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6. Dezember

Wir hoffen, dass heute morgen jeder eine Kleinigkeit in seinen Schuhen gefunden hat, denn heute ist der Gedenktag des Heiligen Nikolaus von Myra. Um diesen Heiligen ranken sich eine Menge von Geschichten, darunter auch einige sehr brutale. Heute habe ich aber eine nicht so grausame Geschichte ausgewählt:

Es geschah einige Zeit bevor Nikolaus Bischof wurde. Er war noch sehr jung und seine reichen Eltern waren schon sehr früh gestorben, da wohnte in seiner Nachbarschaft, in einem alten nicht mehr so schönen Haus, ein Witwer mit drei Töchtern.

Die Mädchen waren hübsch und hatten ein freundliches Wesen, aber weil sie arm waren und nicht die geringste Mitgift hatten, mochte sie keiner der jungen Männer von Myra heiraten. Ihre Familie war früher recht wohlhabend und angesehen gewesen, aber dann hatte eine Serie von Unglücksfällen sie getroffen. Die Mutter starb. Krankheit, Räuber, geschäftliche Verluste und Zerstörung durch ein Erdbeben hatten sie nahezu um ihren gesamten Besitz gebracht. Bei gesellschaftlichen Anlässen konnten sie nicht mehr mithalten, so behandelte man sie als Außenseiter. Die Mädchen wurden von ihren ehemaligen Bekannten geschnitten. Aber auch von den Arbeitern aus Andriake, dem Hafen von Myra, traute sich keiner, eins der Mädchen zu heiraten, obwohl einige sie mochten.

Eines Tages, als Nikolaus an dem Haus vorbeiging, hörte er wie der Vater zu seinen drei Töchtern sagte: “Ich weiss, dass jede von Euch einen Freund hat, dieser euch aber nicht heiraten will, weil wir kein Geld mehr haben.” Deshalb muss ich in meiner Verzweiflung, euch der Schande preisgeben und in ein Bordell oder auf die Straße schicken, wo ihr euer Geld selbst verdienen könnt, um auf diese Weise für uns alle den Lebensunterhalt zu bestreiten.” Als Nikolaus dies hörte, war er voller Mitleid und wollte ihnen helfen. Da er Erbe eines großen Vermögens geworden war, währe es für ihn leicht gewesen, dem Mann etwas von seinem Reichtum abzugeben. Aber, um die Unglücklichen nicht zu beschämen und sich nicht groß aufzuspielen, wollte er es heimlich und anonym tun.

So nahm er einen Beutel mit Goldstücken, warf ihn bei Nacht durch das geöffnete Fenster in das Haus und verschwand ungesehen. Am Morgen fand die älteste Tochter im Zimmer das Säcklein. Sie öffnete es und es war voller Goldmünzen. Sie lief damit zum Vater und zeigte es ihm. Der Vater traute seinen Augen kaum und meinte dann: “Das hat uns der Himmel geschickt, jetzt kannst du heiraten.”
Er dankte Gott, schämte sich wegen seines schäbigen Planes und begann, für die älteste Tochter die Aussteuer zu beschaffen. Das Geld reichte auch noch zu einer fröhlichen Hochzeit.

Als Nikolaus sah, das seine Hilfe gut angekommen war und die Familie das Geld wohl genutzt hatte, taten ihm die anderen beiden Mädchen leid. Er wiederholte sein heimliches Geschenk und nach einiger Zeit war auch die zweite Tochter glücklich verheiratet. Der Vater hätte gerne den unbekannten Retter seiner Mädchen kennen gelernt, um ihm zu danken. Im Stillen hoffte er, der heimliche Helfer werde sich auch seiner dritten Tochter erbarmen. So schlief er von nun an Nacht für Nacht völlig angezogen unter dem Fenster, um sofort aufspringen und den nächtlichen Wohltäter verfolgen zu können.

Nikolaus war entschlossen, auch dem dritten Mädchen unerkannt zu helfen und warf noch einmal bei Nacht einen Beutel durch das Fenster. Vom Geräusch wachte der Vater sogleich auf und eilte dem Unbekannten nach. Er holte ihn rasch ein, erkannte Nikolaus, seinen Nachban und dankte ihm unter Tränen. Dankbar wollte er ihn in sein Haus einladen. Aber Nikolaus wehrte allen Dank ab und ließ den Vater versprechen, nichts von der Sache zu erzählen. Ohne zu ahnen, dass seine Worte sehr bald in Erfüllung gehen würden, erwiderte dieser: “Ein Mann wie du verdiente, unser Bischof zu werden!”

Am Morgen sagte der Vater der jüngsten Tochter, dass auch sie jetzt heiraten könne. Die Töchter fragten daraufhin den Vater, ob er wirklich nicht wisse, wer Ihnen die Gold-säcklein geschenkt habe. Der Vater wollte seine Töchter nicht belügen. So erzählte er ihnen, was er in der Nacht vorher erlebt hatte und bat auch sie, es nicht weiter zu sagen. Alle drei Mädchen waren jetzt verheiratet und jede freute sich sehr darüber.



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Burkhard

Burkhard

Seit dem 01.09.2017 ist Burkhard als jüngster FSJ’ler im Jugendhaus St.Benedikt tätig.

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Burkhard

Burkhard

Seit dem 01.09.2017 ist Burkhard als jüngster FSJ’ler im Jugendhaus St.Benedikt tätig.

Name: Burkhard Renken

Funktion: FSJ‘ler

Ursprünglich aus: Stadtlohn im Westmünsterland

Geboren: 23.03.2000

Jugendhausmitarbeiter seit: 01.09.2017

Bisherige Laufbahn: Abitur 2017, davor eine ganz normale Schullaufbahn

Zukunftspläne: studieren und die Welt entdecken

Interessen: Musik machen, lesen

Auf eine einsame Insel würde er mitnehmen: meine Geige, einen Mitmusikanten

Nächste(s) Reiseziel(e): Wien, Skandinavien

Merkwürdige Angewohnheiten: neigt zu Übertreibungen und komischen Vergleichen