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Rückschau:

Eine Reportage der zweiten Familienferien 2012

„Into the wild“: Unter diesem Motto standen die diesjährigen Familienferien im Kloster Nütschau bei Bad Oldesloe. Dreizehn Familien – von der Großfamilie mit fünf Kindern bis zur alleinerziehenden Mutter – sind für zweieinhalb Wochen ins idyllische Trave-Tal gekommen, um sich hinter Klostermauern zu erholen: Urlaub für Leib und Seele.

Wer kommt zu den Familienferien?

Schon auf dem Parkplatz springen die vielen ungewohnten Autokennzeichen ins Auge: Köln, Paderborn, Herford, Düren. In Nordrhein-Westfalen sind noch Sommerferien. Und offensichtlich hat es sich bis dorthin herumgesprochen, dass im Kloster Nütschau im Sommer nicht nur Einzelgäste für Exerzitien willkommen sind, sondern auch Krabbelkinder und Jugendliche samt Eltern.

„Die Familienferien haben schon eine lange Tradition in Nütschau“, erzählt Br. Josef. Der Benediktinermönch sitzt gemeinsam mit den Gästen im großen Speisesaal beim Frühstück. Gemeinsam mit Barbara Bomert, die im Bildungshaus des Klosters als Referentin arbeitet, leitet er die Ferien. „Schon seit den siebziger Jahren kommen im Sommer Familien im Kloster zusammen, um Urlaub zu machen. Die Kinder treffen auf Gleichaltrige, die Eltern auf Gleichgesinnte. So entsteht rasch eine Gemeinschaft“, erläutert er das Erfolgskonzept.

So beginnt der Tag…

Der Tag beginnt in der Regel um acht Uhr mit einem Morgengebet in der Klosterkirche. Gitarre statt Gregorianik. Danach gibt es Frühstück, das Büffet ist reichhaltig, die Stimmung gleichermaßen lebhaft wie gemütlich. Um neun Uhr treffen sich dann alle im großen Saal zu einer Morgenrunde: Ein paar Kreistänze vertreiben die letzte Müdigkeit. Dann gehen die Kinder und Jugendlichen in ihre Gruppen. „Es gibt Angebote für drei Altersstufen: für kleine Kinder, für größere und für Jugendliche“, erläutert Barbara Bomert. „So kommt jeder auf seine Kosten.“

Familienferien – auch cool für Jugendliche

Einer der Jugendlichen ist Simon Vedlin aus Dortmund, fünfzehn Jahre alt und eingefleischter Fan der Borussia. Für ihn sind es schon die fünften Familienferien in Nütschau. Wird das nicht langweilig? Simon widerspricht energisch: „Ich komme gerne her. Die Gemeinschaft ist stark! Und man kann hier so viel machen: Draußen toben oder Filme gucken, Karten oder Klavier spielen, ausschlafen…“ Simon ist katholisch. Und die anderen Jugendlichen? Simon schaut überrascht. „Keine Ahnung“, sagt er. Offensichtlich spielt die Konfession keine Rolle – gelebte Ökumene.

Jede Gruppe wird von zwei älteren Jugendlichen betreut. Eine von ihnen ist Theresa Klauenberg aus Bottrop. Auch sie ist mit ihren 16 Jahren schon eine ‚alte Häsin‘: Ihre Familie ist das achte Mal in Nütschau, nun ist sie zum ersten Mal Gruppenleitern. „Das Highlight ist immer der bunte Abend, zwei Tage vor der Abreise“, erzählt sie. Dafür bereitet jede Gruppe etwas vor: einen Sketch, ein Theaterstück, einen Tanz oder irgendeinen anderen Beitrag. „Es ist immer lustig und geht bis spät in die Nacht.“

Während sich die Kinder und Jugendlichen in ihren Gruppen vergnügen, gibt es für die Eltern unterschiedliche Angebote, an diesem Vormittag etwa einen Yoga-Kurs. Doch nicht jeder nimmt daran teil, manch einer zieht sich mit einem Buch auf sein Zimmer zurück oder plaudert mit Bekannten. „Familienferien – das bedeutet sowohl Ferien mit der Familie als auch Ferien von der Familie“, erklärt Sabine Brinker aus Lemgo. Ihre Kinder, 13 und 15 Jahre alt, sieht sie an manchen Tagen nur bei den Mahlzeiten. „Ich genieße die gemeinsamen Ausflüge mit den Kindern sehr – aber mindestens ebenso genieße ich die Zeit, die ich für mich habe. Im Alltag kommt das oft zu kurz.“ Sie hat durch Mundpropaganda im Kirchenchor von den Familienferien erfahren und ist nun schon das dritte Mal in Nütschau.

Achtsamkeit füreinander und für die Natur

Nach dem Mittagsgebet der Mönche – Teilnahme freiwillig – und dem Essen folgt die Mittagsruhe, die die Kinder und Jugendlichen wiederum in ihren Gruppen verbringen. „Das ist das Beste überhaupt: Die garantierte Mittagspause!“, lacht eine Teilnehmerin. Danach haben die Familien den Nachmittag zur freien Verfügung, während sich die Gruppenleiter mit Br. Josef und Barbara Bomert zum Betreuer-Café treffen. „Wir nehmen uns täglich 30 bis 45 Minuten Zeit für eine Teambesprechung“, erzählt die Diplom-Pädagogin. „Hier wird der nächste Tag geplant, und es können kleine Probleme aus der Welt geschafft werden.“ Hier kommen auch Kleinigkeiten zur Sprache – zum Beispiel, wer tags drauf Geburtstag hat und mit einem Ständchen erfreut werden soll. „Achtsamkeit im Miteinander ist uns sehr wichtig“, so Br. Josef, „das soll diese Tage prägen.“

Noch abwechslungsreicher wird die Zeit durch zahlreiche Ausflüge, die die Familien teils auf eigene Faust unternehmen: Die intakte Natur rund um das Kloster lädt zu Radtouren und Wanderungen ein, die Hansestadt Lübeck mit ihren sieben Türmen und dem berühmten Marzipan ist nur eine halbe Autostunde entfernt, und auch an die Ostsee in eines der Seebäder oder den Hansapark ist es nicht weit. Darüber hinaus werden gemeinsame Ausflüge angeboten – so stand etwa eine Paddeltour auf der Trave, flussaufwärts Richtung Bad Segeberg, auf dem Programm. „Unser Motto lautet ja in diesem Jahr ‚Into the wild – mit und in der Natur leben‘“, so Br. Josef. „Dazu passt eine Kanu-Tour natürlich besonders gut.“ Doch auch auf den schon traditionellen Ausflug zu den Karl-May-Festspielen ins benachbarte Bad Segeberg musste niemand verzichten: Winnetou II.

„Ich bin sehr froh, dass ich die Familienferien entdeckt habe“, resümiert Maria van Bassem aus Lingen ihren inzwischen fünften Aufenthalt in Nütschau. „Zuhause ist es oft schwer, die Kinder mit in die Kirche zu kriegen: zu starr, zu altmodisch, zu langweilig. Hier erleben sie ein echtes Kontrastprogramm: Eine gute Gemeinschaft, fröhliche Gottesdienste, spannende Angebote. Aber auch Zeit für Ruhe, für sich, für gute Gespräche. Ausgerechnet in einem Kloster!“


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Autor*in


Tobias Riedel

Tobias Riedel