Rückschau:

Jahresrückblick 2017

Das Jahr 2017 neigt sich mit großen Schritten dem Ende entgegen. Auch für uns ein guter Zeitpunkt noch einmal auf das vergangene Jahr zurückzublicken.

Unser Konvent

In diesem Jahr sind wir im Gedenken an 500 Jahre Reformation weitere Schritte auf dem Weg zur Einheit der Christen gegangen. Ein gemeinsames Bekenntnis von Papst Franziskus und Bischof Munib A. Younan, Präsident des Lutherischen Weltbundes, beim ökumenischen katholisch-lutherischen Gedenkgottesdienst in der lutherischen Kathedrale von Lund zu Beginn dieses Gedenkjahres war dabei sehr bedeutsam: „Unser gemeinsamer Glaube an Jesus Christus und unsere Taufe verlangen von uns eine tägliche Umkehr. Wir beten um die Heilung unserer Wunden und Erinnerungen…, dass Katholiken und Lutheraner fähig sein werden, gemeinsam das Evangelium Jesu Christi zu bezeugen“. So haben sich auch in unserem Kloster ökumenische Begegnungen durch das Jahr hindurch ergeben, für die wir sehr dankbar sind.

Zu Anfang des Jahres erschreckte uns am frühen Nachmittag des 6. Januars ein Brand in der Blumensakristei. Ein Gast hatte die Flammen bemerkt und Bruder Benedikt informiert. Zum Glück konnten die herbeigerufenen Einsatzkräfte der Feuerwehr die züngelnden Flammen in der kleinen Sakristei rasch löschen. Wir sind dankbar für die wachsame und schnelle Hilfe der freiwilligen Feuerwehr und unserer Gäste. Inzwischen ist der Schaden behoben und die Blumensakristei neu eingerichtet.

Höhepunkt des Jahres wurde die Feier der Kar- und Ostertage, die wir wieder mit Beteiligung unserer Gäste im Haus St. Ansgar und im Jugendhaus St. Benedikt begingen. Ein Wort Jesu aus den Abschiedsreden führte uns durch diese Tage: „Habt Mut! Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33c). Dieser Zuspruch des Evangeliums begleitet uns seit Ostern. Das Wort des Bauherren unseres Herrenhauses Heinrich Rantzau: „Stärker ist, wer sich selbst als wer die gewaltigsten Mauern tapfer besiegt“, steht seit einem Rekollektionstag als Überschrift auf dem Schwarzen Brett und bringt den geistlichen Kampf des Mönches auf den Punkt. In Verbindung mit unserem Osterthema erinnert er an unsere Ausrichtung auf Christus, der der eigentliche Sieger und Erlöser ist. Unsere eigenen Anstrengungen und auch unser Scheitern stehen immer im Licht Seiner Barmherzigkeit.

Im Frühjahr hat Bruder Prior Johannes seine Ausbildung zum systemischen Supervisor abgeschlossen. Diese war eine gute Vorbereitung für seinen Dienst als Prior in unserem Kloster und für unsere Bildungsarbeit. Bruder Lukas hat im Rahmen seines Theologiestudiums in Lantershofen ein dreimonatiges Gemeindepraktikum bei Pfr. Thomas Hoffmann in Hamburg-Harburg absolviert. Angeregt durch viele Bitten hat Bruder Willibald seine eigene Märchen- und Geschichtensammlung unter Mitwirkung einer Schulklasse des Niels-Stensen-Gymnasiums in HH-Harburg unter dem Titel „Der Junge und der Vogel“ herausgegeben.

Goldene Profess von Br. Willibrord

Die beiden Jubilare Br. Matthäus und Br. Leo

Der Sommer schenkte uns einige festliche Erntetage. So beging Bruder Burkhard in Marienrode seinen 65. Professtag, zusammen mit der Kommunität unserer Schwestern denen er seit vielen Jahren geistlicher Begleiter ist. Bruder Prior Johannes vertrat uns bei diesem Fest. Mitte August feierte Bruder Willibrord seine Goldene Profess und erneuerte im Kreise vieler Gäste, seiner Geschwister und unserer Oblaten sein Mönchsgelübde. Vierzehn Tage nach diesem sehr bewegenden Tag folgte das Fest der 50-jährigen Priesterjubiläen von Bruder Matthäus und Bruder Leo, welche beide 1967 in Gerleve zu Priestern geweiht worden sind. Im Festgottesdienst erinnerte Erzbischof em. Dr. Werner Thissen die große Festgemeinde an diese westfälischen Wurzeln. Die Freude und der Dank an diesem Tag waren geprägt durch die Gegenwart der beiden großen Jubilars-Familien und dem Besuch von Abtpräses Dr. Albert Schmidt OSB.

Der 60. Priesterweihetag von Bruder Gaudentius und Bruder Burkhard am 14. September war schon ein Herbsttag. Auch diese Mitbrüder waren in Gerleve geweiht worden. In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg wurde mit Absicht das Fest Kreuzerhöhung gewählt, das an das erlösende Leiden Jesu erinnert. Am Vorabend des Jubiläumstages erzählte Bruder Gaudentius im Konvent von seinen Erinnerungen an die Zerstörung seiner Heimatstadt Königsberg. Bruder Burkhard beging das Jubiläum in Marienrode am 15. September, dem Tag der Schmerzen Mariens, seinem einstigen Primiztag.

Die Apfelernte in den Ora-et-Labora-Wochen mit Bruder Andreas und Bruder Leo war bescheiden. Bruder Andreas sagt, dass er eine derart karge Ernte noch nicht erlebt habe. Nach der kühlen, feuchten Witterung im Frühjahr während der Obstblüte wurden die wenigen jungen Früchte unzureichend versorgt und im Juni abgeworfen. So gestalteten die Helfer aus dem Jugendhaus den Gabenkorb am Erntedankfest sehr ehrlich mit einer leeren Flasche Apfelsaft, einem Glas Honig und nur zwei Äpfeln.

Im Oktober fegten zwei Herbststürme über Schleswig-Holstein hinweg. Besonders der Sturm Herwart am 28. Oktober brachte für Hamburg Sturmflutalarm und legte die Bahnstrecken durch Beschädigungen an den Oberleitungen lahm, so dass mehrere Tage der Zugverkehr stillstand. Im Nütschauer Forst stürzte eine große Anzahl von Bäumen und es entstanden Waldschäden, deren Beseitigung Zeit brauchen wird. Leider wurden auch Elemente unseres neuen Friedhofszauns in Mitleidenschaft gezogen.

Haus St. Ansgar

Bruder Willibrord berichtet: Dankbar können wir auf das vergangene Jahr blicken. Wie in allen Jahren seit dem Bestehen ist das Haus St. Ansgar ausgelastet, d.h. es gibt etwa 23.000 Übernachtungen. Zusätzlich suchen viele Menschen das Haus als Tagesgäste wegen bestimmter Veranstaltungsreihen oder Einkehrtagen auf. Der wesentliche Grund für die gute Belegung ist wohl die Anbindung an das Kloster mit seinem Stundengebet und die tägliche Feier der heiligen Messe. Gesucht wird mehr oder weniger bewusst der spirituelle Ort. Dass diese Atmosphäre gewahrt bleibt, sehen wir als unseren Auftrag. Die Veranstaltungen haben fast alle einen religiösen Anspruch und sind von klösterlicher Atmosphäre getragen, selbst wenn es manchem auf den ersten Blick nicht auffällt. Auch ist die Arbeit von Schwester Hildegard und Schwester Heike in der Seelsorge unseres Erzbistums nicht mehr wegzudenken. So haben die Frauen- und Männerarbeit des Erzbistums mittlerweile einen Schwerpunkt in Nütschau gefunden.

Lobpreisliederabend

Seit Jahrzehnten ist Bruder Matthäus der Organisator der Sonntagsgespräche. Darüber hinaus führt er mit Bruder Andreas die Tage „Pilgern und Wandern rund ums Kloster“ und mit Bruder Wolfgang „Radpilgern rund ums Kloster“ durch, die großes Interesse finden. Neben diesen schon altbewährten Angeboten gab es dieses Jahr auch einige neue. So bietet Bruder Willibrord jeweils am 2. Donnerstagabend des Monats Glaubensgespräche im Haus St. Ansgar an. Es sind offene Gespräche, in denen jeder das Thema einbringen kann, das ihn beschäftigt. Als weiteres Angebot hat Bruder Benedikt mit unserer Bildungsreferentin Sarah Mc Donnell den Lobpreisliederabend etabliert, der etwa vier Mal im Jahr in unserer Kirche stattfindet.

Bereits ein fester Bestandteil des Jahres sind unsere Familienferien. Sie standen diesen Sommer unter dem Motto „Zum Glück gibt’s“ und waren mit 100 Personen stark besucht. Dankbar sind wir für das Team der Betreuer und für die Familie Ortmeyer aus Verl, die maßgeblich die Ferien mitgeplant und durchgeführt haben. Auch die Mini-Familienferien um den 3. Oktober erfreuen sich großer Beliebtheit. Es gab viel mehr Anmeldungen als Plätze und auch für 2018 sind die Ferien bereits voll ausgebucht. Die Kürze der Ferien scheint attraktiv zu sein und es kommen auch viele Familien mit kleinen Kindern.

Familienferien

Auch dieses Jahr gab es wieder eine Reihe von Ausstellungen im Haus St. Ansgar. Als Ausstellung erwähnt Bruder Willibrord besonders Nüchternes Glänzen mit Bildern von Ulrich Rölfing. Sie hat viele Betrachter beschäftigt, durchaus auch kontrovers. Die Kunstausstellungen bleiben gerade in ihrer Verschiedenheit wichtig für die Atmosphäre des Hauses, für Offenheit, Lebendigkeit und zur Bereitschaft, sich auseinanderzusetzen mit dem, was einem da begegnet.

Haus Raphael

Bruder Josef berichtet: Das Haus Raphael ist ein wichtiger Rückzugsort für Männer, besonders mit dem Angebot der Männersamstage und Männerwüstentage. Neu ist die Ausbildung für Mentoren in der Männerarbeit. Eine kleine Gruppe hat sich auf den Weg gemacht, um die von uns angefangene Arbeit an den Orten ihres Lebens weiterzugeben.

Jugendhaus St. Benedikt

Unser drittes Jugendfestival JuSt.Be vom 7.-9. Juli wurde in diesem Jahr vom Vorbereitungsteam mit Bruder Lukas, Sarah Mc Donnell und den FSJlern unter das Thema „JuSt.Believe“ gestellt und dementsprechend unser Glaube mit den etwa 200 Teilnehmern aus verschiedenen Perspektiven reflektiert, gefeiert und erlebt. Der Höhepunkt der musikalischen Darbietungen auf der Bühne im Jugendhausgarten war der bekannte christliche Musiker Samuel Harfst mit seiner Band. Sein beliebter Song „Privileg zu sein“, ließ den roten Faden unseres Themas besonders aufleuchten. Den Open-Air-Sonntagsgottesdienst, begleitet von der Jugendband aus der Gemeinde St. Birgitta Lübeck, feierte der ganze Konvent mit den jugendlichen Gästen bei herrlichem Sonnenschein auf der Jugendhauswiese. Er bildete einen wunderbaren Abschluss dieses gelungenen Festivals. Unser Dank gilt den verschiedenen Referent_innen und Helfer_innen, die dieses Wochenende zu einem unvergessenen Erlebnis werden ließen. Ein besonderer Dank gilt allen Sponsoren, die sich an den Kosten beteiligt und den Erfolg des Jugendfestivals ermöglicht haben.

Freundeskreis

Dankbar sind wir den vielen Menschen, die uns durch ihre materielle und ideelle Hilfe unterstützen. Zum Tag der Freunde versammelte sich am Samstag, 25. März wieder eine große Zahl der Mitglieder des Freundeskreises Kloster Nütschau. Am Vormittag hat Bruder Ansgar in einem Bildervortrag den von ihm gemalten Nütschauer Ikonenkreuzweg vorgestellt und allen Teilnehmern persönlich geprägte geistliche Impulse geben können. Das hierzu erschienene Buch ist bei uns im Klosterladen erhältlich. Am Nachmittag folgten auf der Mitgliederversammlung die Neuwahlen der Vorstandsmitglieder. Herr Dr. Paul Anger und Herr Peter Löning sind aus ihrem langjährigen Dienst aus Altersgründen ausgeschieden. Bruder Prior Johannes dankte Ihnen im Namen aller Mönche und Freundeskreismitglieder für ihr langjähriges starkes Engagement. In den Vorstand wurden Herr Martin Weickenmeier, Herr Peter Wunsch, Frau Mechthild Kuhn und Frau Dr. Gabriele-Cornelia Fox gewählt.

Kirchenasyl

Auch im Jahr 2017 hat die Klostergemeinschaft Geflüchtete für einige Zeit aufgenommen. Bruder Benedikt ist der erste Ansprechpartner für die Anfragen, die nicht abreißen. Von einem Tag bis zu einem Jahr haben Frauen und Männer aus sechs verschiedenen Nationen mit uns gelebt. Ein herzliches Dankeschön gilt allen, die mithelfen bei der Begleitung und dem Sprachunterreicht für diese jungen Menschen. Dank gilt aber auch den Geflüchteten für ihr Mittun und Mitleben hier vor Ort. Rund 30 Personen haben im Jahr 2017 ihren Aufenthalt hier beendet. Wir hoffen, diesen Menschen und auch unserer Gesellschaft einen Dienst erweisen zu können. Aufgrund seiner Erfahrung mit dem Kirchenasyl erhielt Bruder Benedikt eine Einladung zu einer Podiumsdiskussion auf dem evangelischen Kirchentag in Berlin.

Nachbarschaft und Öffentlichkeit

Im Oktober war das NDR-Fernsehen für eine ganze Woche bei uns zu Gast, um zwei Folgen der Sendereihe „Klosterküche – Kochen mit Leib und Seele“ mit der Moderatorin Frau Pastorin Annette Behnken zu drehen. Für diesen Dreh wurde das Plenum des Jugendhauses in eine Küche verwandelt. Das Kochen diente dazu mit einzelnen Mönchen und Mitarbeitern über klösterliche Themen ins Gespräch zu kommen. Auf die erste Folge mit Bruder Benedikt, die am 3. Dezember ausgestrahlt wurde, folgte viel positives Feedback durch die Zuschauer. Die zweite Folge mit Bruder Josef wird im kommenden Jahr ausgestrahlt.

Im Sommer diesen Jahres ist unsere neue Homepage online gegangen. Die zunehmende Nutzung von mobilen Endgeräten machte eine Überarbeitung nötig, die Dank der finanziellen Unterstützung unseres Freundeskreises möglich wurde. Man kann die Homepage nun endlich auch mit mobilen Endgeräten problemlos anschauen. Seit Mitte Dezember haben wir mit Kloster und Jugendhaus jetzt auch ein gemeinsames Instagram Profil. Neben Homepage und Facebook versuchen wir auf diesem Wege immer wieder neue, aktuelle Informationen und Eindrücke aus dem Kloster zu verbreiten und vor allem auch eine jüngere Zielgruppe für uns und unsere Angebote in Jugendhaus und Kloster zu gewinnen.

Bei einem Besuch unseres Bundestagsabgeordneten Gero Storjohann (CDU) führten ihn Bruder Prior Johannes und Bruder Benedikt zu der inzwischen klappernden Lärmschutzwand an der A21 aus den 80er Jahren. Einige Monate später nahm sich der schleswig-holsteinische Minister für Verkehr Dr. Bernd Buchholz (FDP) dieser Sache an, um das Kloster kennen zu lernen und das Thema Lärmschutz zu erörtern. Unser Bürgermeister Herr Peter Lengfeld und andere Vertreter der Gemeinde Travenbrück ergänzten durch ihre Teilnahme diese Besprechung. Jetzt soll bis Anfang des Jahres 2018 die Berechnung der Lärmsituation erfolgen, um dann entscheiden zu können, was getan werden kann. Wir hoffen auf eine gute Weiterentwicklung. In einem ersten Schritt wurden nur die einzelnen Bretter der Wand wieder befestigt, um das Klappern einzustellen.

Frau Marianne Dräger hat zu unserer großen Freude das Buch Gut Nütschau – Vom Rittersitz zum Benediktinerkloster im Wachholtz-Verlag, Kiel, in 2. Auflage auf den neuesten Stand gebracht und wieder herausgebracht. Es dokumentiert u.a. die Restaurierung des Rantzauischen Herrenhauses und ist im Klosterladen erhältlich. Bei unserem Nachbarschaftstreffen am 1. November, bei dem wieder zahlreiche Nütschauer unserer Einladung gefolgt sind, zeigte Frau Marianne Dräger eine Auswahl der reichen Bebilderung ihres Buches und erzählte aus der vielfältigen Geschichte dieses Ortes. So bleibt die Heimatgeschichte von Nütschau lebendig.

Geselliges Beisammensein beim Nachbarschaftstreffen

Wieder legen wir ein Jahr in Gottes gute Hände zurück und dürfen in einen neuen Advent eintreten: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiß an jedem neuen Tag.“

Von Herzen wünschen wir allen Lesern, unseren Brüdern und Schwestern, Verwandten, Freunden, Nachbarn und unseren Mitarbeiter_innen eine gesegnete Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr 2018.

Die Klostergemeinschaft in Nütschau

Der Konvent im April 2017



Zurück