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Einwilligen in den Ruf Gottes - Interview mit P. Ansgar Stukenborg OSB, Novizenmeister im Kloster Nütschau
NKZ: Bruder Ansgar, auf ein Wort: Wie wird man Mönch?
Br. Ansgar: Das ist ein langer Weg, er dauert mindestens viereinhalb Jahre. Äußerlich führt er über mehrere Stufen, vom Postulat über das Noviziat und die zeitliche Profess bis schließlich hin zur sogenannten ewigen“ oder feierlichen“ Profess, wie wir sie am kommenden Samstag am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel feiern dürfen. Entscheidend aber ist der innere Weg. Es geht darum, seine Berufung zu entdecken: Ist das Leben im Kloster wirklich der Platz, an dem Gott mich haben will? Wie sehen seine Pläne für mein Leben aus? Wofür braucht er mich?
NKZ: Seit über fünfzehn Jahren sind Sie der Novizenmeister der Nütschauer Klostergemeinschaft. Was sind Ihre Aufgaben?
Br. Ansgar: Meine wichtigste Aufgabe ich die behutsame Begleitung derer, die sich für ein Leben in unserem Kloster interessieren, auf eben diesem inneren Weg. Darüber hinaus erhalten die Postulanten und Novizen ganz praktisch Unterricht in der Gruppe, teils von mir, teils von Mitbrüdern: Wir beschäftigen uns mit der Bibel, besonders mit den Psalmen, mit Psalmengesang und Gregorianik, mit der Geschichte der Mönchsväter, und ganz intensiv natürlich mit der Regel des hl. Benedikt und ihrer Übersetzung ins Hier und Jetzt: Was will uns dieser rund 1500 Jahre alte Text heute sagen, konkret: im Kloster Nütschau im Jahr 2009?
NKZ: In der feierlichen Profess bindet sich der Mönch für immer an Gott“ in einer bestimmten Klostergemeinschaft. Ist das nicht vermessen, wer kann das versprechen?
Br. Ansgar: Aus eigener Kraft kann das keiner. Profess lässt sich nur verstehen als Antwort: Ich kann mich nur deshalb an Gott binden, weil er sich schon längst an mich gebunden hat. Es ist ein Einwilligen in den Ruf Gottes, im Vertrauen auf seine Hilfe.
NKZ: Nach der Profess von Br. Andreas Ewert im Mai ist die Profess am kommenden Samstag bereits die zweite, die in diesem Jahr hier gefeiert werden kann. Nütschau hat das, was anderen Orden oft fehlt: Nachwuchs. Wie kommt das?
Br. Ansgar: Das würde ich auch gerne wissen, doch bleibt es wohl ein Geheimnis. In erster Linie ist es ein Geschenk Gottes, nicht etwa unser Verdienst. Darüber hinaus ist es, so meine ich, eine wichtige Frage, ob ein Konvent an seine eigene Zukunft glaubt oder nicht: Wenn man in dem Vertrauen lebt, dass Gott uns auch in Zukunft führen wird, dass es weitergehen wird, dann überträgt sich diese Zuversicht auch auf potentielle neue Mitbrüder und wirkt anziehend.
NKZ: Worin zeigt sich diese – in Nütschau offensichtlich vorhandene – Hoffnung ganz konkret?
Br. Ansgar: Für mich zum Beispiel im Bau des neuen Konventgebäudes in den letzten Jahren. Die Entscheidung für den Bau fiel in einer für uns sehr schwierigen Zeit, es gab wenig Nachwuchs, mehrere Austritte. Was für ein Wahnwitz, in dieser Situation ein neues Kloster zu bauen, das vielen völlig überdimensioniert erschien! Doch war dieser Neubau auch ein Hoffnungszeichen, und heute sind – dank Gottes Hilfe – tatsächlich alle zwanzig Zellen (so nennen wir unsere Zimmer) bewohnt.
NKZ: Der Begriff ewige Profess“ weckt bei manchem Zeitgenossen vielleicht Assoziationen von Strenge, Einengung und Unfreiheit…
Br. Ansgar: Das mag sein. Aber ich denke, ein Ordensgelübde ist auch nicht strenger als das Versprechen, das sich Eheleute gegenseitig geben: miteinander zu leben in guten wie in schlechten Tagen, bis der Tod sie scheidet. Überhaupt geht es beim Eintritt ins Kloster ja nicht primär darum, etwas aufzugeben, im Gegenteil: Wir suchen das Leben in Fülle. Benedikt gelingt es in seiner Regel, eine sehr gute Balance zu halten zwischen der Individualität des einzelnen Mönchs und seiner Verantwortung für die Gemeinschaft. Das Leben in einer Ehe scheint mir mitunter sogar mehr Rücksichtnahme und Zurückstellung eigener Interessen zu erfordern als das Leben im Kloster. Pater Placidus, der erste Nütschauer Obere, hat dies einmal sehr schön auf den Punkt gebracht. Auf die Frage, ob der Benediktinerorden ein strenger Orden sei, antwortete er: Wenn Sie in einen strengen Orden eintreten wollen, müssen Sie heiraten!“
